Löschschaum im Kopf und eine spitzzüngige Kollegin
Manchmal braucht es einen Feuerwehrmann, um zu erklären, was nach einem Schädelhirntrauma im Gehirn geschieht. Und manchmal hilft sogar der Blick auf eine spitzzüngige Schlange aus Malaysia, um neue Wege für die Behandlung schwerer Hirnverletzungen zu finden.
Bei der Verleihung des Hannelore Kohl Förderpreises und des ZNS-Doktorandenstipendiums am 21. Mai 2023 in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer standen deshalb nicht nur wissenschaftliche Erfolge im Mittelpunkt, sondern vor allem die Menschen, die mit ihrer Forschung dazu beitragen, die Zukunft von Betroffenen zu verbessern.
„Speyer hat für die ZNS-Stiftung eine besondere Bedeutung, da die Stadt eng mit unserer Stiftungsgründerin Hannelore Kohl verbunden ist“, sagte Dr. Susanne Schaefer, Geschäftsführerin der ZNS-Stiftung. Umso schöner sei es, gerade hier neue Impulse für die nächste Generation von Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftlern zu setzen.
Der mit 10.000 Euro dotierte Hannelore Kohl Förderpreis ging an Albrecht Fröhlich von der Universitätsklinik für Neurologie in Ulm. In seiner Laudatio verglich Dr. Stefan Zimmer, Vizepräsident der ZNS-Stiftung, die Vorgänge nach einem Schädelhirntrauma mit einem Hausbrand: Nicht nur das Feuer selbst richtet Schaden an, sondern manchmal auch der Löschschaum. Fröhlich erforscht die überschießenden Immunreaktionen im Gehirn, die nach einer Verletzung sogenannte Sekundärschäden verursachen können. Seine Arbeit hilft dabei, die Mechanismen hinter diesen oft folgenschweren Prozessen besser zu verstehen und langfristig neue Behandlungsansätze zu entwickeln.
Mit den Folgen solcher Sekundärverletzungen beschäftigt sich auch Jose Carlos Martínez Santamaría von der Universität Freiburg. Für sein Promotionsprojekt erhielt er das mit 10.000 Euro dotierte ZNS-Doktorandenstipendium, gestiftet von der Merck Finck Privatbank. Dabei unterstützt ihn indirekt eine ungewöhnliche „Kollegin“: Die Malayische Mokassinotter. Bestandteile ihres Giftes könnten dazu beitragen, die Bildung von Narbengewebe im Gehirn zu reduzieren und damit langfristige Folgen eines Schädelhirntraumas abzumildern.
Die Auszeichnungen zeigen, wie wichtig die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist. Jede neue Erkenntnis bringt die Forschung einen Schritt weiter – und damit auch die Menschen, die nach einem Schädelhirntrauma auf bessere Behandlungsmöglichkeiten und neue Perspektiven hoffen.
Den festlichen Rahmen für die Preisverleihung schuf die international gefeierte Sopranistin Eva Lindt. Gemeinsam mit jungen Künstlerinnen und Künstlern gestaltete sie ein Benefizkonzert, das den Abend zu einem besonderen Zeichen für Engagement, Hoffnung und Zukunft machte.