Ein Mann schießt mit Bogen auf eine Zielscheibe
Lebensgeschichten

Weiterleben nach dem Unfall

Ermutigend

Die Lebensgeschichten unserer Betroffenen und Angehörigen sind besonders und ermutigend. Wir bedanken uns bei allen, die uns ihre Geschichte erzählt haben und uns ermöglichen, diese zu teilen.

Jedes Jahr erleiden rund 670.000 Menschen in Deutschland ein Schädelhirntrauma. Etwa 100.000 von ihnen müssen nach dem Unfall mit dauerhaften körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen weiterleben. Die meisten hätten im Traum nicht daran gedacht, dass sich ihr Leben einmal schlagartig verändern könnte. 

Hier erzählen sie ihre Geschichte.

Timos Geschichte

2016 verändert ein Autounfall Timos Leben von jetzt auf gleich. Er erleidet ein Schädelhirntrauma und in Folge eine Halbseitenlähmung. Dass er heute wieder sprechen und selbständig gehen kann, hat Timo sich hart erkämpft. Aufgeben war für ihn dabei nie eine Option. Sein Motto: „Einfach machen”. Unterstützung und Motivation erhält er vor allem durch seine Familie und seine Partnerin Nele.

Neben vielen Therapien besteht Timos Alltag auch aus Instagram. Auf seinem Kanal berichtet er über sein Leben mit Schädelhirntrauma und betreibt Aufklärungsarbeit in Sachen Barrierefreiheit und Teilhabe. Der Zuspruch, den Timo hier von meist völlig Fremden erhält, motiviert ihn, weiterzumachen und sich sein Leben Stück für Stück zurückzuerobern. Zusammen mit Nele bildet Timo Assistenzhund Nemo aus: Jacke ausziehen, Gegenstände bringen – Nemo soll Timo im Alltag helfen. Seine Hauptaufgabe ist es, epileptische Anfälle frühzeitig zu erkennen und anzuzeigen.

Timos Geschichte zeigt, wie viel Entschlossenheit, Durchhaltevermögen und Unterstützung von Familie und Partnerin bewirken können, wenn man sich Schritt für Schritt ein selbstbestimmtes Leben nach einem Schädelhirntrauma zurückerobert. Entgegen aller Prognosen kann Timo heute wieder sprechen, selbständig gehen und so seinen Alltag mit Nele und Nemo eigenständig gestalten.

Timos Geschichte im Video 

Timos Geschichte im Video, ausführlich 

Neles Geschichte

Nele und Timo sind frisch verliebt, als Timos schwerer Autounfall die Beziehung auf die Probe stellt.

Nach Timos Schädelhirntrauma bleibt Nele immer an seiner Seite – bis heute. Während andere Paare sich zu Beginn ihrer Beziehung unbeschwert kennenlernen können, verbringen Nele und Timo die gemeinsame Zeit vor allem in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und mit Therapien. Von Timos Schicksalsschlag lassen sie sich nicht entmutigen. Zusammen schultern sie Timos Reha und Nachsorge, schaffen Barrieren im Alltag aus dem Weg und gestalten ihre gemeinsame Zukunft.

Ihre Beziehung ist am Schädelhirntrauma und den daraus resultierenden Einschränkungen nicht zerbrochen. Sie sind gemeinsam daran gewachsen und noch näher zusammengerückt – auf Augenhöhe. Neles Leben, Freundschaften und der Alltag haben sich seit dem Unfall verändert, Prioritäten haben sich verschoben. Doch ihre eigenen Ziele hat Nele stets verfolgt: den Schulabschluss, das Studium, die gemeinsame Wohnung. Assistenzhund Nemo bereichert die Beziehung von Timo und Nele auf ganz besondere Weise. Sie bilden ihn gemeinsam aus, damit er Timos epileptische Anfälle frühzeitig erkennt und anzeigt. 

Neles Geschichte zeigt, welchen Herausforderungen sich Angehörige eines Menschen mit Schädelhirntrauma stellen müssen – und wie entscheidend Zusammenhalt, Durchhaltevermögen und gegenseitige Unterstützung nach einem solchen Schicksalsschlag sind.

Neles Geschichte im Video
Neles und Timos Geschichte im Video 

Anne-Kathrins Geschichte

Auf dem Weg zur Arbeit kollidiert Anne-Kathrins Auto 2001 mit einem Schwertransporter. Das Krankenhaus erreicht sie nicht, wie geplant, als Krankenschwester, sondern als Patientin. Infolge des Unfalls erleidet Anne-Kathrin ein schweres Schädelhirntrauma und liegt wochenlang im Koma. Selbst gepflegt zu werden, statt andere zu pflegen, ist für die examinierte Krankenschwester schwer anzunehmen. 

Doch Anne-Kathrin findet ihren Weg zurück ins Leben und ihre neue Bestimmung in der Gründung und Leitung einer eigenen Selbsthilfegruppe für schädelhirnverletzte Menschen. Besonders der Kontakt zur ZNS-Stiftung unterstützt sie in diesem Vorhaben. Die Organisation der Gruppe und der regelmäßige Austausch mit den Teilnehmenden lässt Anne-Kathrin wachsen und sich weiterentwickeln. Dankbar ist sie besonders für die Anerkennung, die sie dort erfährt.

Auch nach über zwanzig Jahren begleiten Anne-Kathrin unsichtbare Beeinträchtigungen wie Kopf- und Nackenschmerzen, schnelle Erschöpfung und Konzentrationsdefizite. Unterstützung erfährt Anne-Kathrin durch ihren Mann und die Menschen, die sich mit ihr in der Selbsthilfegruppe engagieren. Mit ihrem Engagement hilft Anne-Kathrin anderen Betroffenen, Wege für ein Leben nach Schädelhirntrauma zu finden – und hat darin selbst einen neuen Lebenszweck für sich geschaffen.

Anne-Kathrins Geschichte im Video 

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Robins Geschichte

Als Teenager führt Robin aus Köln ein unbeschwertes Leben – bis ein schwerer Fahrradunfall alles verändert. Als Schüler verletzt er sich dabei am Kopf und erleidet ein schweres Schädelhirntrauma, das bleibende Schäden verursacht. Bis heute kämpft er mit den Folgen des Unfalls.

Nach seinem Fahrradunfall muss Robin das Schlucken und Laufen neu lernen. Er kann sich nicht mehr konzentrieren und kämpft regelmäßig mit Panikattacken. Der Weg zurück ins Leben ist nicht leicht, doch Schritt für Schritt lernt Robin, sich so zu akzeptieren, wie er heute ist.

Robin braucht lange, um sein Schädelhirntrauma zu verkraften. Heute steht er wieder mitten im Leben und macht anderen Menschen Mut. Mit Yoga und Qigong hat er neue Ankerpunkte gefunden, die ihm Halt und innere Ruhe geben. Aus seinem schweren Unfall hat Robin einen neuen Blick auf das Leben gewonnen und kann sich heute so annehmen, wie er ist.

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Tinas Geschichte

Als 18-Jährige wird Tina als Fußgängerin von einem Auto angefahren und erleidet ein schweres Schädelhirntrauma. Motorische Fähigkeiten und das Sprechen muss sie neu lernen und unsichtbare Beeinträchtigungen begleiten sie bis heute. Im Traum hätte Tina nicht daran gedacht, später mal einen Job zu finden, der sie erfüllt und glücklich macht.

Trotz ihres Schädelhirntraumas steht Tina voll im Leben. Seit kurzem arbeitet sie Vollzeit im Büro einer Behörde und ist – zu Recht – stolz auf sich und ihre Entwicklung. Entscheidend dafür ist, dass sie und ihre Kolleg:innen offen mit ihrem Schädelhirntrauma und den daraus resultierenden Herausforderungen umgehen. Kurz nach ihrer Reha findet Tina über ein Fußballseminar zur ZNS-Stiftung und nutzt seitdem die Angebote der Stiftung und der ZNS-Akademie. Dort fühlt sie sich angenommen und gut aufgehoben.

In ihrer Freizeit kocht Tina zusammen mit ihrem Freund leidenschaftlich gern und treibt Sport. Beim Joggen bekommt sie den Kopf frei. Zusammen mit ihrem Lauftreff, den „Renn-Schnecken“, geht Tina dreimal die Woche in Hannover joggen.

Tinas Geschichte im Video
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Adels Geschichte

Im Sommer 2016 will der bekannte deutsche Sänger Adel Tawil in Ägypten ein neues Album produzieren und eine schöne Zeit mit Freunden verbringen – doch ein Sprung kopfüber in einen Pool alles. Er zieht sich eine Mehrfachfraktur der Halswirbelsäule zu, eine Verletzung, die vielfach zu Querschnittslähmung oder sogar zum Tod führen kann.

Nach dem Unfall wird er nach Berlin ausgeflogen und von Spezialisten behandelt. Adel hatte nochmal Glück, denn der Notarzt im Flugzeug warnt Adel, dass er in akuter Lebensgefahr schwebt. Neun Monate dauert die anschließende Rehabilitation. Konzerte muss er absagen und er tritt zunächst kürzer, um sich vollständig auf seine Genesung zu konzentrieren.

Heute engagiert sich Adel für Menschen mit Schädelhirntrauma und die Verbesserung ihrer Lebenssituation, sowie für die Prävention von Kopfverletzungen. Seit Ende 2017 ist er Präsident der ZNS-Stiftung, die Betroffene und ihre Angehörigen mit einem umfangreichen Angebot begleitet, das Adel Tawil selbst als besonders wirkungsvoll erlebt.

Nicht im Traum hätte Adel gedacht, dass ein Sprung in einen Pool sein komplettes Leben verändern kann. Doch aus dieser Herausforderung entsteht ein langfristiges Engagement für andere, das ihm heute sehr am Herzen liegt.

Adels Geschichte im Video
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Melodies Geschichte

Melodie Michelberger ist erfolgreiche Autorin und Körperaktivistin. In ihrem Buch „Body Politics“ und in den sozialen Medien setzt sie sich für ein diverses Bild von Schönheit und die Akzeptanz verschiedener Körperformen ein. Sie dachte, dass sie von nichts aufgehalten werden kann.

Doch ein Sturz beim Eislaufen verändert alles. Zunächst tut sie den Unfall als Kleinigkeit ab, zumal die erste Diagnose im Krankenhaus keine schwere Verletzung zeigt. Erst später im CT wird ein Schädelhirntrauma mit Hirnblutungen festgestellt. Die Folgen spürt Melodie bis heute: Sie verliert zwei Sinne – schmecken und riechen – und kämpft auch heute noch mit starken Konzentrationsstörungen.

Es fällt ihr zunächst schwer, die neue Lebensrealität zu akzeptieren und wieder Lebensfreude zu finden. Doch Schritt für Schritt lernt sie, mit den Einschränkungen umzugehen und ihren Alltag neu zu gestalten. Über soziale Medien berichtet sie offen über unsichtbare Beeinträchtigungen durch Schädelhirntrauma und erlebt großen Zuspruch.

Heute nutzt Melodie ihre Reichweite, um über Prävention von Kopfverletzungen wie das Tragen eines Helms aufzuklären und andere zu ermutigen, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Melodie hätte nie gedacht, dass sie sich einmal so intensiv mit dem Thema Schädelhirntrauma auseinandersetzen würde. Aber nach ihrem Sturz auf dem Eis weiß sie, wie wichtig es ist, den eigenen Kopf zu schützen.

Melodies Geschichte im Video
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Hans-Peters Geschichte

Mitten im Leben erleidet Hans-Peter Durst einen unverschuldeten Verkehrsunfall. Ein Schädelhirntrauma verändert von einem Moment auf den anderen alles. Sein „erstes Leben“, wie er es nennt, endet an diesem Tag.

23 Monate verbringt Hans-Peter in einer Klinik. Dank intensiver neurologischer Rehabilitation können viele Unfallfolgen nahezu rückstandsfrei behandelt werden. Dennoch bleiben Einschränkungen: Sein Gleichgewichtssinn ist dauerhaft geschädigt, auf beiden Augen verliert er das linke Sehfeld. Nichts ist mehr, wie es war. In dieser Zeit bewundert er besonders die Geduld der Therapeutinnen und Therapeuten, die ihn Schritt für Schritt begleiten. Halt geben ihm zudem seine Frau und seine Familie.

Durch eine ärztliche Verordnung beginnt Hans-Peter mit dem Dreiradfahren. Was zunächst als therapeutische Maßnahme gedacht ist, wird für ihn zum Wendepunkt – und zum Beginn seines „zweiten Lebens“. Durch einen glücklichen Umstand fährt er bei der „Tour der Hoffnung“ mit und startet schon bald bei der ersten Deutschen Meisterschaft.

Was als Therapie beginnt, wird zur Leidenschaft und schließlich zur beeindruckenden Karriere. Hans-Peter wird mehrfacher Weltmeister im Paracycling und gewinnt 2016 bei den Paralympischen Spielen in Rio de Janeiro zwei Goldmedaillen. „Ich hätte im Traum nicht daran gedacht, dass ich in meinem zweiten Leben so wunderbare, goldene Momente aktiv erleben darf“, sagt er.

Heute ermutigt Hans-Peter andere Betroffene, Hilfe anzunehmen und sich nicht gegen Unterstützung zu wehren. Die Dinge anzunehmen, auch wenn sie oft schmerzhaft sind, hat ihm selbst unheimlich geholfen und den Weg in ein neues Leben geebnet.

Hans-Peters Geschichte im Video
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Jennifers Geschichte

„Er war immer meine starke Schulter. Jetzt unterstütze ich ihn.“

Andreas und Jennifer Grün hatten gerade ein Haus gekauft, als ein Unfall ihr Leben von einem Moment auf den anderen veränderte. In der Abenddämmerung springt ein Reh auf die Straße, Andreas weicht aus und sein Wagen prallt gegen einen Baum. Die Diagnose: ein schweres Schädelhirntrauma. Drei Jahre liegt Andreas im Koma – erst im Krankenhaus dann in der Reha – und kämpft sich danach zurück ins Leben.

Jennifer erlebt, wie sich die Verantwortung in ihrer Beziehung komplett verschiebt. Aus Partnerin wurde Pflegende. Andreas lebt nun wieder zu Hause, kann aber nicht greifen, sich nicht selbstständig umdrehen und seine Sprache ist stark eingeschränkt. Sein Verstand hingegen ist wach und sein Wille ungebrochen, und Jennifer unterstützt ihn jeden Tag im gemeinsamen Alltag.

Für ihre Ehe bedeutet das eine enorme Belastungsprobe. Liebe und Pflege voneinander zu trennen, ist nicht leicht. Jennifer lernt, Verantwortung zu tragen und zugleich bewusst Momente zu schaffen, die nichts mit Pflege zu tun haben. Der Austausch mit anderen betroffenen Paaren, unter anderem in einem Seminar der ZNS-Akademie, gibt ihnen Impulse und das Gefühl, mit ihrer Situation nicht allein zu sein.

Heute ist Jennifers Alltag ein ganz anderer als früher. Doch zwischen Pflege und Pflichten gelingt es ihr immer wieder, kleine Augenblicke zu schaffen, die nur ihr und Andreas gehören.

T. Fehrenbachs Geschichte

Nach einem Treppensturz im Oktober 2015 erleidet die junge Frau Fehrenbach ein schweres Schädelhirntrauma. Zusätzlich bricht sie sich ein Bein und verletzt ihre Wirbelsäule so schwer, dass sie fürchtet, querschnittsgelähmt zu bleiben. Es folgen Operationen und eine lange Zeit in der Reha. Das Sprechen fällt ihr nach dem Unfall schwer, viele Worte kann sie nicht mehr finden – die Erinnerung ist wie ausgelöscht, Gleichgewicht und Sehen stark eingeschränkt.

In dieser schwierigen Zeit stehen Frau Fehrenbach ihre Eltern zur Seite. Auch Professor Dr. med. Eckhard Rickels, Neurochirurg und Beirat der ZNS-Stiftung, unterstützt sie. Seine Worte werden zum Anker: „Es lohnt sich, nicht aufzugeben!“ Sie helfen T. Fehrenbach, Schritt für Schritt durchzuhalten, immer wieder neue Motivation zu finden und sich an kleinen Erfolgen zu orientieren.

Heute hat sie sich ihr Leben zurückerobert. Sie arbeitet wieder mit voller Kraft und ist Mutter eines kleinen Sohnes. „Es war ein langer, anstrengender Weg. Besonders schwer war es, nicht richtig sprechen zu können. Aber ich habe mich an Professor Rickels Worten festgehalten – er hat uns allen die Kraft gegeben, dranzubleiben“, sagt sie.

T. Fehrenbach hat sich zurück ins Leben gekämpft, sie arbeitet wieder mit voller Kraft und ist Mutter eines kleinen Sohnes – ein Wunder, wenn man die Zeit nach dem Unfall bedenkt. Mit ihrer Geschichte möchte sie nun Mut machen und anderen zeigen: Es lohnt sich, niemals aufzugeben!

Keanus Geschichte

Mit gerade einmal 17 Jahren stürzt Keanu Fredriksson von einem Balkon – mehr als acht Meter auf Beton. Wochenlang liegt er im Koma. Als er erwacht, ist er linksseitig gelähmt, hat Sehstörungen, schwere epileptische Anfälle und muss mühsam wieder atmen, essen und sprechen lernen. „Ich habe mein ganzes Leben verloren, ohne gestorben zu sein. Ich dachte, das muss ein Albtraum sein“, erinnert sich Keanu.

Seine Mutter Kristine ist Tag und Nacht an seiner Seite. Alleine die Pflege und Organisation der Reha, aber auch ständige Sorgen um ihren Sohn bedeuten enorme Belastung. Durch Selbsthilfegruppen und Beratung lernt sie Stück für Stück, wie sie Keanus Therapie optimal unterstützt.

Mit der Zeit übernimmt Keanus linke Gehirnhälfte zunehmend die Aufgaben der geschädigten rechten. Nach und nach kann er sich bewegen, seine halbseitige Lähmung ausgleichen und selbst wieder zur Schule gehen. Heute steht Keanu auf eigenen Füßen vor den Menschen, die ihm das Leben gerettet haben, dankbar und voller Energie.

Ohne den Beistand seiner Mutter, schildert er rückblickend, hätte er die schlimmste Zeit nicht überlebt. Keanus Geschichte erzählt von der außergewöhnlichen Kraft einer Mutter, von Geduld, Liebe und Durchhaltevermögen. Sie zeigt, wie viel Resilienz und Zusammenhalt nötig sind, um nach einem schweren Schädelhirntrauma wieder ein selbstbestimmtes Leben zurückzugewinnen.

Juttas Geschichte

„Nach den ersten Tanzschritten wusste ich: Da will ich wieder hin!“ 

Jutta Kämper, Grundschullehrerin, erlebt 2024 einen Moment, der ihr Leben verändert. Beim Putzen auf dem Vordach stürzt sie schwer und erleidet ein Schädelhirntrauma, dazu gebrochene Lendenwirbel und Rippen. Eine Arterie reißt, die Ärzte versetzen sie in ein künstliches Koma und öffnen die Schädeldecke. Sechs Wochen verbringt sie auf der Intensivstation – ihre Familie darf sie aufgrund der Corona-Beschränkungen nur selten besuchen.

Neun Monate kämpft Jutta im Krankenhaus um jeden Schritt, jedes Wort, jeden Bissen. Alles muss neu erlernt werden: Sprechen, Essen, Laufen. Danach folgt die Reha, oft unter erschwerten Bedingungen. In dieser Zeit steht ihr Ehemann Ralph ihr unermüdlich bei und unterstützt sie, motiviert sie und hält den gemeinsamen Alltag zusammen.

Eine spontane Idee gibt Jutta neuen Lebensmut: Ralph legt ihren Lieblingstango auf, nimmt sie sanft in die Arme, und die ersten Tanzschritte nach dem Unfall werden zu einem festen Ziel. Seit Anfang 2025 tanzt Jutta wieder und hat bereits ein Tango-Fest gebucht.

Jutta schöpft Kraft aus Bewegung, Musik und kleinen Alltagserfolgen und hilft weiterhin ehrenamtlich Kolleginnen an ihrer alten Schule. Trotz der körperlichen und kognitiven Einschränkungen hat sie ihre Lebensfreude zurückgewonnen.