Im Labyrinth der Nachsorge
Wer nach einer erworbenen Hirnschädigung das Krankenhaus verlässt, steht oft vor einer neuen Herausforderung: Wie geht es jetzt weiter? Therapien, Beratungsangebote, Sozialleistungen, berufliche Perspektiven – die Nachsorge gleicht für viele Betroffene und ihre Angehörigen einem Labyrinth, in dem Orientierung schwerfällt.
Genau dieses Bild stand im Mittelpunkt des 15. Nachsorgekongresses, zu dem Ende Mai 2023 mehr als 200 Betroffene, Angehörige sowie Fachleute aus Medizin, Therapie, Rehabilitation und Beratung nach Dresden kamen. Unter dem Motto „Teilhabe – Anspruch und Wirklichkeit“ zeigte die Veranstaltung nicht nur bestehende Hürden auf, sondern machte vor allem deutlich, wie wichtig verlässliche Begleitung nach einer neurologischen Erkrankung oder Verletzung ist.
Um die Situation der Betroffenen greifbar zu machen, beschritt der Kongress neue Wege: In einem interaktiven Informationsparcours schlüpften die Teilnehmenden in unterschiedliche Rollen – etwa die eines Angehörigen oder eines Menschen mit erworbener Hirnschädigung. Ausgestattet mit einer Laufkarte suchten sie passende Therapie- und Unterstützungsangebote und konnten diese direkt kennenlernen. So wurden Herausforderungen des Alltags ebenso erlebbar wie konkrete Hilfen. „Unsere Idee ist aufgegangen“, freut sich Dr. Susanne Schaefer, Geschäftsführerin der ZNS-Stiftung und Sprecherin der AG Teilhabe. „Das innovative Veranstaltungselement wurde vielfach gelobt und macht Lust auf weitere kreative Workshopmethoden.“
Neben dem praktischen Austausch standen zentrale Fragen der Teilhabe im Fokus. Expertinnen und Experten beleuchteten die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes, die berufliche Wiedereingliederung von Menschen mit erworbenen Hirnschäden und die weiterhin bestehenden Versorgungslücken in der neurologischen Nachsorge. Ein gemeinsames Anliegen zog sich dabei durch alle Beiträge: Nachsorge muss endlich verlässlich in der Regelversorgung verankert werden.
Der Kongress machte deutlich, wie wertvoll Begegnung, Wissenstransfer und Vernetzung sind. Wenn Betroffene, Angehörige und Fachleute miteinander ins Gespräch kommen, entstehen Orientierung, Verständnis und neue Perspektiven. Genau darin liegt der Schlüssel zu echter Teilhabe – damit Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen ihren Weg nicht allein durch das Labyrinth der Nachsorge finden müssen.