Parlamentarischer Abend
Als sich Anfang Juli Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Rehabilitation, Sozialversicherung und Interessenverbänden in Berlin trafen, ging es um weit mehr als Gesetzestexte und Zuständigkeiten. Im Mittelpunkt standen die Menschen, die nach einer Schädelhirnverletzung jeden Tag darum kämpfen, wieder am Leben teilhaben zu können.
Unter dem Titel „Ich wollte es schaffen und keiner wollte mich scheitern lassen“ luden die Arbeitsgemeinschaft Teilhabe, Rehabilitation, Nachsorge und Integration (AG Teilhabe) und die ZNS-Stiftung erstmals zu einem Parlamentarischen Abend ein. Rund 100 Gäste kamen in den Räumen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zusammen, um über die Situation von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen zu sprechen – und darüber, was sich verbessern muss.
Für viele Betroffene endet die Herausforderung nicht mit der medizinischen Akutversorgung. Erst danach beginnt häufig ein langer Weg durch unterschiedliche Zuständigkeiten, Antragsverfahren und Leistungssysteme. Wer Unterstützung benötigt, stößt oft auf fehlende Informationen, unklare Ansprechpartner und eine Versorgung, die je nach Leistungsträger sehr unterschiedlich ausfällt.
Genau darüber diskutierten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Ministerien, Sozialversicherung und Rehabilitation. Ein zentrales Thema war die bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. Denn Menschen mit Hirnverletzungen benötigen häufig eine komplexe und langfristige Unterstützung, die nur dann wirksam sein kann, wenn alle Beteiligten gemeinsam handeln.
„Wichtiger als nur Forderungen zu stellen ist es uns, den Dialog mit allen Beteiligten zu suchen“, betonte Prof. Dr. Helga Seel, die die Diskussion moderierte. Dieser Dialog prägte den gesamten Abend – offen, konstruktiv und mit dem gemeinsamen Ziel, Teilhabe für Betroffene spürbar zu verbessern.
In Deutschland leben rund eine Million Menschen mit den dauerhaften Folgen einer Schädelhirnverletzung. Für sie bedeutet Teilhabe nicht nur Zugang zu Leistungen, sondern die Chance auf Selbstbestimmung, soziale Kontakte und ein möglichst selbstständiges Leben.
Der Parlamentarische Abend hat gezeigt, wie wichtig es ist, die Erfahrungen Betroffener sichtbar zu machen und sie in politische Entscheidungen einzubeziehen. Die ZNS-Stiftung wird diesen Dialog weiterführen – damit aus guten Gesprächen konkrete Verbesserungen entstehen.